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Arbeiter & Angestellter – was ist der Unterschied?

Arbeiter und Angestellter sind beide Arbeitnehmer, rechtlich werden sie aber unterschiedlich behandelt. Früher wurden Arbeiter und Angestellte dadurch unterschieden, dass Arbeiter körperliche Tätigkeiten ausübten und Angestellte geistige Tätigkeiten. Heute sind die Unterschiede vor allem in der Rechtsprechung geregelt.

Kündigungsfrist eines Arbeiters

Arbeiter, die einem Gewerkschafts- oder Kollektivvertrag unterliegen, müssen die Kündigungsfrist wie vereinbart einhalten. Die weichen abhängig von den Branchen stark voneinander ab. So dürfen Bauunternehmer ihren Angestellten mit einer Frist von einem Tag kündigen, der Arbeiter hingegen hat in der Regel 14 Tage Kündigungsfrist einzuhalten. In der Industrie und Forschung beträgt die Kündigungsfrist durch den Arbeitgeber bis zu fünf Monate.

Kündigungsfrist eines Angestellten

Angestellte müssen grundsätzlich eine Kündigungsfrist von vier Wochen einhalten, wenn sie den Arbeitsvertrag kündigen. Wird der Kontrakt durch den Arbeitgeber gekündigt, muss er bei der ordentlichen Kündigung die Mindestfrist von sechs Wochen einhalten. Allerdings erweitert sich die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber, je länger ein Angestellter für den selben Arbeitgeber tätig ist. In den meisten Fällen wird die Grenze von sechs Monaten jedoch nicht überschritten.

Beitragszahlungen für Sozialversicherungen

Arbeiter und Angestellte werden in verschiedenen Beitragsklassen eingestuft und müssen deshalb auch abhängig vom Einkommen und der Einstufung unterschiedliche Beitragshöhen vom Erwerbseinkommen abführen.

Erwerbseinkommen Arbeiter

Arbeiter erhalten in der Regel einen Lohn, der pro Stunde brutto bezahlt wird. Nur selten vereinbaren Arbeiter mit dem Arbeitgeber ein Gehalt. Der Lohn ist in der Regel an einen Kollektivvertrag gekoppelt und für den Arbeiter nicht frei verhandelbar. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern führen die Gewerkschaften. Die Ergebnisse der Verhandlungen sind anschließend für alle Arbeiter bindend.

Erwerbseinkommen Angestellte

Angestellte vereinbaren in der Regel mit ihren Arbeitgebern ein festes Gehalt, welches eine Mindestarbeitszeit pro Monat beinhaltet. Das kann, muss aber nicht sein. Wird keine Mindestzeit vereinbart, erhält der Angestellte sein Gehalt nach erbrachter Arbeitsleitung unabhängig der Arbeitsstunden. Möglich sind außerdem ein niedriges Grundgehalt, welches durch Erfolgsboni oder Provision aufgestockt wird. Das soll den Angestellten motivieren sich für seine Aufgabe einzusetzen. Wer mehr Erfolg hat, wird höher bezahlt.

Ansehen in der Gesellschaft

Angestellte sind höher angesehen und verdienen durchschnittlich mehr als Arbeiter. Angestellte weisen häufiger einen höheren Abschluss vor, während sich Arbeiter fachorientierter bilden. Angestellte interessieren sich mehr für die allgemeine Bildung und gehen über das Alltags- und Fachwissen ihres Berufes hinaus. Arbeiter nutzen ihre Fähigkeiten begrenzter.

Früher waren vor allem Männer die Arbeiter, während Frauen unbezahlte Hausarbeit erledigten. Im Wandel der Zeit nutzen Frauen die Möglichkeit für höhere Bildungsabschlüsse und sind gesellschaftlich höher anerkannt. Das wirkt sich in den meisten Branchen aber nicht finanziell zu Gunsten der Frauen aus, die noch immer weniger verdienen als Männer, selbst bei einer höheren Qualifikation.

Seit Jahren entscheiden sich immer mehr junge Oberschulabsolventen für die weiterführende Hochschule. So gibt es immer weniger Lehrlinge, die einen physischen Beruf erlernen. Das führt in Deutschland seit geraumer Zeit zu einem erheblichen Fachkräftemangel, den die Wirtschaft durch den Zuzug von ausländischen Facharbeitern zu kompensieren versucht.